Monatsarchiv für Oktober 2010

Okt 11 2010

Einmal Generalüberholung bitte! – Teil3

Im letzten Teil habe wir unse mit der Demontage und dem Aufarbeiten der Mechanik beschäftigt. Auf das aufwendige Polieren folgt nun das Zusammensetzen jener Mechaniksegmente welche durch Verstiftung gehalten werden. Anschließend können die neuen Polster eingebaut und angepasst werden.

Bepolsterung und Montage

Im Bläserstudio Koblenz werden hauptsächlich Markenpolster der Fa. Pisoni aus Italien verbaut. Dieser  weltweit renommierte Betrieb hat sich auf die Herstellung von Polstern für professionelle Holzblasinstrumente (u.a. Selmer und Pearl) spezialisiert. Dem Spieler stehen Polster unterschiedlicher Qualitäten und Materialien zur Auswahl. Die verschiedenen Eigenschaften der Polster haben Auswirkung auf das Spielgefühl und die Akustik der Flöte. Man sollte sich also beraten lassen. Bei unserer Sankyo-Flöte hat sich der Spieler für traditionelle Filzpolster der Dicke 2.0mm entschieden. Wichtig ist, dass die Dicke der vorigen Polster in etwa wieder erreicht wird, da ansonsten die Kamine nicht gleichmäßig vom Polster abgedeckt werden und somit kein sauberer Ton zustande kommt. Beim Einbau der Polster kommt es nun darauf an, die Deckung auf dem Kamin so exakt wie möglich herzustellen. Hierbei geht es um hundertstel Millimeter. Während des Anpassens werden die Polster immer wieder ein- und ausgebaut und mit Kreissegmenten aus Papier feinster Stärke unterlegt. Zur Überprüfung, ob die Polster die erforderliche Dichtigkeit aufweisen, hat die Flötenbauerin zwei verschiedene Werkzeuge zur Auswahl. Für den ersten Schritt bedient sie sich einer Lampe, welche sie in das Flötenrohr schiebt und somit an jeder Klappe überprüfen kann, ob das Licht der Lampe an jeder Stelle gleichmäßig durchscheint. Für die feinere Abstimmung verwendet die Flötenbauerin einen so genannten Fühler. Der besteht aus einem dünnen Streifen Folie, der an einem Streichholz großen Holz befestigt ist. Diese wird beim Schließen der zu prüfenden Klappe zwischen Polster und Kamin eingeklemmt. Durch Stärke und Art des Zuges an der Folie kann die Flötenbauerin ebenfalls überprüfen, wie das Polster den Kamin an einzelnen Stellen abdeckt. Auch diese Arbeit erfordert viel Erfahrung und extremes Feingefühl. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist diese Arbeit zudem sehr zeitaufwändig, da jedes einzelne Polster individuell unterlegt und an den Kamin angepasst werden muss.

Nachdem alle Polster eingepasst sind, werden die neuen Anschlagfilze in Stärke und Form vermessen, aufgeklebt und zurecht geschnitten. Nun wird die Mechanik Segmentweise geölt, zusammengebaut und dabei einreguliert. Viele Mechaniken sind hierfür mit kleinen Regulierschrauben ausgestattet, an denen sich die Lage der einzelnen Klappen zueinander sehr genau und problemlos einstellen lässt. Sind solche Schrauben nicht vorhanden, so wird auch hier mit Papier oder Leder unterschiedlicher Dicke gearbeitet. Im Zuge der Regulierung werden auch die Filze auf ihre entsprechenden Dicken eingeschliffen.

Der Stimmkork, welcher sich oberhalb des Mundlochs im Flötenkopf befindet, wird erneuert und mittels der Kopfschraube zur Mensur der Flöte an der richtigen Stelle justiert. Auch die Zapfenverbindungen werden nun nach Bedarf angepasst. Bei unserer Beispielflöte ließ sich ja der Kopf nur schwergängig mit dem Mittelstück verbinden. Mit einem Spezialwerkzeug wird daher die Zapfenweite am Kopfstück minimal verringert, wodurch die Zapfenverbindung wieder problemlos zu handhaben ist.

Ist die Flöte wieder vollständig zusammen gebaut, folgt ein erster Anspieltest. Die Flötenbauerin überprüft Ansprache, Zentrum und Intonation jedes Tones und aller Griffmöglichkeiten. Nach einigen Stunden Ruhezeit, bei der sich Filze und Polster nochmals setzen, erfolgt ein zweiter Anspieltest. Fällt auch dieser positiv aus, folgt die Begutachtung durch den Spieler. Nun lassen sich kleine Veränderungen in der Regulierung und beim Federdruck individuell auf die Hände und Spielweise des Flötisten einstellen. Lässt die Querflöte sich nun wieder perfekt spielen und sprechen alle Töne, Sprünge und Dynamiken wie gewünscht an, so ist die Generalüberholung zunächst abgeschlossen. Da sich einige der verwendeten Materialien noch einmal durch die Benutzung verändern, wird die Flöte nach einer Einspielzeit von 2-3 Monaten in Absprache mit dem Spieler nochmals reguliert.

Die regelmässige Reinigung und Regulierung der Mechanik einer Querflöte erhöht laut Aussage von Frau Kehl deutlich die Lebensdauer des Instrumentes und des aktuell gespielten Polstersatzes. Ausserdem lassen sich kleine Veränderungen der Mechanik schon frühzeitig erkennen und beheben.

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Okt 04 2010

Einmal Generalüberholung bitte! – Teil2

Demontage und Überprüfung der Mechanik


Nachdem man sich ein Bild vom Zustand der Querflöte gemacht hat, wird die Mechanik abgebaut. Hierbei ist es wichtig, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, um ein Verklemmen der Mechanik zu vermeiden, da einzelne Elemente im Mittelteil auf eine komplizierte Art und Weise miteinander verbunden sind. Beim Ausbau ist darauf zu achten, alle Federn auszuhängen. Begonnen wird mit den Mechanikteilen am Querflötenfuß. Daraufhin folgt die Mechanik des Mittelstücks, beginnend mit der linken Hand und anschließend die Mechanik der rechten Hand. Die Triller können erst zum Schluss abgenommen werden, da diese unter der Mechanik der rechten Hand liegen.
Nachdem die Mechanik vollkommen vom Korpus der Querflöte abgenommen wurde, wird das Öl an den Achsen und in den Röhrchen entfernt. Nur so kann sich unsere Flötenbauerin einen Eindruck von den aktuellen Passungen der Mechanik verschaffen.

Es ist wichtig, dass alle Klappen auf den jeweiligen Achsen ohne zu kratzen frei bewegbar sind. Jedoch dürfen sie auch kein Spiel aufweisen. Hierfür schiebt man die einzelnen Klappen auf deren Achsen und dreht diese – dabei sollten die Klappen auf Grund der Schwerkraft nach unten hängen bleiben und sich nicht mit der Achse mitbewegen. Oftmals sind hierbei nach einigen Jahren Verschleißerscheinungen an der Querflöte zu erkennen. Durch das ständige Bedienen der Klappen werden die Metallhülsen naturgemäß seitlich abgenutzt und es entstehen Zwischenräume zwischen den Röhrchen und den Achsen sowie zwischen den Röhrchen und den Haltesäulchen, weshalb die Mechanik merklich Spiel bekommt und „ausgeschlagen“ ist. Um dies zu überprüfen, baut man die einzelnen Klappengruppen wieder auf den Korpus auf. Dabei müssen die Klappen fest sitzen und dürfen sich weder nach rechts noch nach links verschieben lassen. Sollte eine Verschiebung der Klappen möglich sein, so lässt dies darauf schließen, dass die Mechanik ausgeschlagen ist. Dieser Verschleiß der Mechanik führt u.a. zu einer verstärkten Abnutzung der Polster, da diese durch die Seitwärtsbewegung der Mechanik auf den Kaminen hin und her reiben. Zusätzlich kann es sein, dass die Klappen nicht mehr richtig schließen, da die Polster ungleichmäßig auf den Kaminen aufsetzen. Darüber hinaus tritt es auf, dass sich zwei Klappen, die miteinander verbunden sind, in verschiedenen Winkeln zur Achse bewegen und somit den Kamin nicht vollständig abdichten. Eine korrekte Einstellung der Klappen zueinander wird in diesen Fällen unmöglich. Alle diese Probleme haben zur Folge, dass verschiedene Töne der Querflöte sehr schwer oder gar nicht zu spielen sind.

Schliesslich werden auch die verbleibenden Klappengruppen, welche durch Stifte auf ihren Achsen fixiert sind, auseinander gebaut. Die Verstiftung dienen dazu, dass sich einzelne Klappen oder Klappenelemente mit der Achse mitbewegen sollen. In der Abbildung ist zu erkennen, dass die Klappe-A durch eine Verstiftung mit der Achse verbunden ist und dadurch die freilaufenden Klappen B und C mitbewegt. Sind die Stifte entfernt, können die Klappen einzeln entnommen und auf ihre Funktion überprüft werden.

Sollten die beschriebenen Mängel festgestellt werden, was bei unserer Beispielflöte an einzelnen Mechanikteilen der Fall ist, wird die Mechanik nachgearbeitet. Dadurch verschwinden die Zwischenräume, die Mechanik sitzt wieder ohne Spiel und die Klappen decken die Kamine wieder vollständig ab. Dieser Prozess verlangt von unserer Flötenbauerin viel Feingefühl und Erfahrung, da sich einzelne Änderungen auch auf andere Klappen und Mechanikteile auswirken.

Daraufhin werden die Polster aus allen Klappen ausgebaut. Man erkennt dann, daß alle Polster mit Papierringen unterlegt sind. Darauf gehen wir im Folgenden noch näher ein.
Bei unserer Beispielflöte sind die Polster schon recht stark abgenutzt. Die Eindrücke auf der Polsteroberseite sind sehr tief. An einigen Stellen ist die dünne Goldschlägerhaut, mit welcher der Filzkern der Polster überzogen ist, bereits eingerissen und der Filz “schaut raus”.
Darüber hinaus werden in diesem Arbeitsschritt alle an der Mechanik verklebten Anschlagfilze und alten Klebereste mittels eines Dreikantschabers entfernt.

Reinigung von Korpus und Mechanik

Im Anschluss werden die Einzelteile von Mechanik und Korpus in ein Silberbad gelegt. Dies erleichtert der Flötenbauerin das spätere Polieren des Korpus und der Mechanik. Nach etwa 10 Minuten kann die Querflöte dem Silberbad entnommen, gründlich mit Wasser ausgespült und anschließend abgetrocknet werden. Es folgt die Politur von Korpus und Mechanikteilen. Die Querflötenteile sollte nicht an einer  Poliermaschine poliert werden, da sich hierbei die Mechanik leicht verbiegen kann. Bei versilberten Instrumenten ist zudem ein übermäßiges Abtragen der Silberoberfläche zu befürchten. Daher wird die Querflöte von Hand poliert. Die ist sehr zeitaufwändig, jedoch erstrahlen alle Einzelteile der Querflöte nach dieser Arbeit in neuem Glanz.

Im 3. Teil unserer Dokumentation einer Generalüberholung beschäftigen wir uns mit Bepolsterung, Montage und Feinjustage der Querflöte.

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